Die überraschend hohen US-Inflationsdaten haben die Zinssorgen zurückgebracht und vor allem Technologie- und AI-Aktien unter Druck gesetzt. Bitcoin zeigt sich im Vergleich dazu bemerkenswert stabil. Noch ist das kein neuer Risk-on-Ausbruch – die aktuelle Range entwickelt sich jedoch zunehmend zur entscheidenden Zone.

Am Mittwoch stiegen die US-Verbraucherpreise für September um 0,6 % gegenüber dem Vormonat und um 3,7 % gegenüber dem Vorjahr. Auch die Kerninflation fiel mit 0,3 % zum Vormonat höher aus als erwartet. Einen Tag später folgte mit einem Anstieg der Erzeugerpreise um 1,3 % sogar der stärkste monatliche Zuwachs seit März 2022. Damit bleibt das Zinsthema vorerst auf der Agenda.

Die unmittelbare Marktreaktion fiel entsprechend negativ aus. Der Nasdaq verlor am Mittwoch 1,9 %, der Philadelphia Semiconductor Index sogar mehr als 4 %. Steigende Finanzierungskosten treffen gerade hoch bewertete Technologie- und AI-Unternehmen empfindlich.

Bitcoin geriet ebenfalls unter Druck und fiel zwischenzeitlich unter 80.000 USD, stabilisierte sich anschließend aber wieder im Bereich um 82.000 USD. Genau hier liegt der interessante Punkt: Relative Stärke gegenüber Tech ist erkennbar, von einem eindeutigen Risk-on-Signal kann jedoch noch nicht gesprochen werden.

Zum Wochenschluss entspannte sich das Zinsumfeld wieder etwas. Die Treasury-Renditen gaben nach, der US-Dollar verlor an Stärke und Fed-Chef Kevin Warsh vermied ein klares Signal für eine weitere unmittelbare Zinserhöhung. Am Markt wird derzeit weiterhin überwiegend mit keiner weiteren Anhebung vor Dezember gerechnet.

Charttechnischer Ausblick

Bitcoin bewegt sich aktuell innerhalb einer vergleichsweise engen Entscheidungszone. Der Unterstützungsbereich um rund 81.000 bis 82.200 USD wurde zuletzt mehrfach angelaufen, bislang jedoch verteidigt.

Auf der Oberseite stellt 83.695 USD die erste Hürde dar. Darüber folgen 85.577 und 86.663 USD. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über diesen Bereich würde die aktuelle Seitwärtsphase klar zugunsten der Käufer auflösen. Dann wären zunächst 91.895 und später 96.219 USD die nächsten größeren Zielmarken.

Entscheidend bleibt allerdings die Unterseite. Fällt die aktuelle Unterstützungszone nachhaltig, würden zunächst 78.617 USD sowie anschließend 76.650 bis 75.285 USD in den Fokus rücken. Unterhalb davon wäre auch ein Rücklauf in Richtung 73.666 USD nicht auszuschließen.

Damit bleibt die Lage angespannt: Bitcoin hält sich trotz des Zins- und Tech-Gegenwinds erstaunlich stabil, die eigentliche Richtungsentscheidung steht jedoch weiterhin aus.

Die neue Handelswoche im Fokus

Der klassische US-Datenkalender fällt etwas ruhiger aus. Am Dienstag stehen mit den US-Baubeginnen und Baugenehmigungen neue Daten vom zinssensitiven Immobilienmarkt an.

Größeren Einfluss auf den Risk-on-Komplex könnte allerdings die laufende US-Berichtssaison entwickeln. Gerade die Ergebnisse und Ausblicke großer Technologie- und AI-Unternehmen dürften nach dem jüngsten Abverkauf genau beobachtet werden.

Im Hintergrund rückt zudem bereits die Fed-Sitzung vom 27. und 28. Oktober näher. Für Bitcoin dürfte deshalb auch in der kommenden Woche gelten: Renditen runter und Tech stabilisieren sich, dann steigt die Chance auf einen Ausbruch aus der Range. Kehren die Zinssorgen zurück, dürfte die Unterstützung um 81.000 USD erneut getestet werden.

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In diesem Sinne wünsche ich Ihnen abermals ein entspanntes Wochenende und einen erfolgreichen Start in die kommende Handelswoche.

Ihr Tickmill General D-A-CH Manager
Christian Kämmerer