Die hinter uns liegende Börsenwoche hatte es einmal mehr in sich. Wer gedacht hat, dass der Markt in ruhigere Fahrwasser übergeht, wurde schnell eines Besseren belehrt. Stattdessen dominierte erneut das, was wir aktuell fast jede Woche sehen: Volatilität, Unsicherheit und ein Markt, der zwischen Makrodaten, geopolitischen Spannungen und Zinsfantasien hin- und herspringt.

Rückblick: Volatilität bleibt der Haupttreiber

Beginnen wir mit dem Blick zurück. Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben erneut für Nervosität an den Märkten gesorgt. Besonders deutlich wurde das am Ölmarkt, der weiterhin extrem sensibel auf jede politische Schlagzeile reagiert. Jeder neue Eskalationspunkt treibt die Preise kurzfristig nach oben, während Entspannung sofort für Gegenbewegungen sorgt.

Parallel dazu haben neue Inflationsdaten ein klares Signal gesendet: Inflation ist längst nicht mehr nur ein Energie-Thema. Steigende Preise bei Lebensmitteln und Mieten zeigen, dass der Preisdruck breiter geworden ist. Genau das ist der Punkt, der für die Notenbanken unangenehm wird.

Sowohl die US-Notenbank (Fed) als auch die Europäische Zentralbank (EZB) stehen damit wieder stärker unter Zugzwang. Die Märkte beginnen bereits, ihre Erwartungen anzupassen – weg von schnellen Zinssenkungen, hin zu der Möglichkeit, dass Zinsen länger hoch bleiben oder sogar weitere Anpassungen nötig werden könnten. Genau diese Neubewertung sorgt aktuell für die erhöhte Nervosität an den Aktien- und Anleihemärkten.

Ausblick: Diese Termine bestimmen die nächste Woche

Kommen wir nun zur kommenden Handelswoche – und die hat es in sich.

Am Dienstag startet die Woche mit dem US-Verbrauchervertrauen des Conference Board für Mai. Dieser Wert ist ein wichtiger Frühindikator für die Konsumstimmung und damit auch für die wirtschaftliche Dynamik in den USA.

Der echte Spannungspunkt folgt allerdings am Donnerstag. Dann stehen die US-PCE-Inflationsdaten für April auf der Agenda – sowohl auf Monats- als auch auf Jahresbasis. Diese Daten gelten als bevorzugter Inflationsindikator der Fed. Die letzten Werte zeigten bereits eine Tendenz nach oben, was die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen weiter gedämpft hat. Sollte sich dieser Trend bestätigen, dürfte das die Märkte erneut unter Druck setzen.

Ebenfalls am Donnerstag kommen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sowie die US-Verkäufe neuer Häuser. Besonders der Immobilienmarkt steht hier im Fokus. Die stark gestiegenen Zinsen in den USA haben die Finanzierungskosten massiv erhöht. Schwächere Hausverkäufe könnten daher ein erstes Warnsignal sein, dass dieser Sektor vor einer deutlichen Abkühlung steht.

Deutschland im Fokus zum Wochenschluss

Am Freitag richtet sich der Blick nach Deutschland. Der Arbeitsmarktbericht für Mai steht an. Erwartet wird eine Arbeitslosenquote von 6,4 %, also stabil auf erhöhtem Niveau. Zusätzlich rechnet der Markt mit rund 10.000 neu gemeldeten Arbeitslosen.

Ebenfalls wichtig: die vorläufigen Verbraucherpreisprognosen. Diese Daten geben einen ersten Hinweis darauf, wie sich die Inflation in Deutschland weiter entwickeln könnte – ein entscheidender Faktor für die zukünftige EZB-Politik.

Berichtssaison: KI bleibt der zentrale Treiber

Auch auf Unternehmensseite wird die Woche spannend. Im Fokus stehen zwei große Namen aus den USA.

Am Mittwoch berichtet Salesforce. Der Markt erwartet einen Gewinn pro Aktie von 3,13 US-Dollar bei einem Umsatz von 11,06 Milliarden US-Dollar. Besonders im Fokus steht die Frage, wie stark Künstliche Intelligenz bereits in die Geschäftsmodelle integriert ist – und ob sich daraus bereits messbares Wachstum ergibt. Nach zuletzt schwächerer Kursentwicklung ist der Druck entsprechend hoch.

Am Donnerstag folgt Dell Technologies. Hier liegen die Erwartungen bei 2,88 US-Dollar Gewinn je Aktie und einem Umsatz von 34,81 Milliarden US-Dollar. Dell befindet sich weiterhin in einer starken Marktphase, getragen von der Nachfrage im Infrastruktur- und KI-Umfeld. Entscheidend wird sein, ob dieser Trend nachhaltig bestätigt werden kann.

Währungen, Öl und Markttechnik im Fokus

Auch der Devisenmarkt bleibt spannend. Der Euro-Dollar-Kurs hat sich bereits in Richtung der wichtigen Unterstützungszone bei 1,16 USD bewegt. Ein nachhaltiger Bruch dieser Marke könnte weitere Abgaben in Richtung 1,15 USD oder sogar 1,1440 USD auslösen.

Beim Ölpreis bleibt das große Thema weiterhin die geopolitische Lage. Solange die Spannungen zwischen den USA und dem Iran bestehen, bleibt der Markt anfällig für schnelle, emotionale Bewegungen. Eine mögliche Deeskalation könnte zwar kurzfristig Druck auf den Ölpreis bringen, die strukturelle Unsicherheit – insbesondere rund um strategische Routen wie die Straße von Hormus – bleibt jedoch bestehen.

Fazit:

Die kommende Handelswoche wird kein ruhiger Übergang, sondern ein weiterer Test für die Märkte. Inflation, Arbeitsmarkt, Unternehmenszahlen und geopolitische Risiken greifen erneut ineinander.

Damit wünsche ich Ihnen ein entspanntes Wochenende und einen erfolgreichen Start in die kommende Handelswoche. Folgen Sie uns auch auf unserem YouTube-Kanal Tickmill Deutsch - YouTube, um sich auch in der kommenden Handelswoche über neue Handelsideen zu informieren und nutzen Sie gleich die Gelegenheit, sich mit einem Klick auf www.tickmill.com über die top Konditionen und Handelsmöglichkeiten zu informieren.

Ihr Tickmill-Analyst Mike Seidl