Wochenausblick: DAX verliert an Stärke – Wallstreet vor wichtiger Bewährungsprobe
Die vergangene Handelswoche hat an den internationalen Aktienmärkten einige interessante Entwicklungen hervorgebracht. Während sich die großen US-Indizes weiterhin in der Nähe ihrer Rekordstände bewegen, zeigt sich beim Deutschen Aktienindex inzwischen ein deutlich anderes Bild. Für Anleger und Trader dürfte die kommende Handelswoche daher besonders spannend werden.
DAX: Nach dem Allzeithoch fehlen die Käufer
Der deutsche Leitindex konnte nach dem Erreichen seines Allzeithochs zu Pfingsten keine weitere Aufwärtsdynamik mehr entwickeln. Statt neuer Kaufimpulse dominierten zuletzt Gewinnmitnahmen und eine zunehmende Zurückhaltung der Marktteilnehmer. Seit dem Hochpunkt bewegt sich der DAX überwiegend abwärts.
Aus charttechnischer Sicht rücken damit wichtige Unterstützungszonen in den Fokus. Besonders die Schwungmarke bei 24.100 Punkten sowie der darunterliegende Supportbereich um 23.600 Punkte verdienen in den kommenden Handelstagen erhöhte Aufmerksamkeit. Sollten diese Marken unter Druck geraten, könnte sich die laufende Konsolidierung weiter ausdehnen.
Bemerkenswert ist dabei der direkte Vergleich zur Wall Street. Während sich die großen US-Indizes zuletzt nahe ihrer Rekordstände etablieren konnten, gelang dem DAX dieser Schritt nicht. Das spricht dafür, dass Anleger den deutschen Markt derzeit deutlich kritischer beurteilen.
Geopolitik bleibt Belastungsfaktor
Als größter Unsicherheitsfaktor für den deutschen Aktienmarkt bleibt die geopolitische Lage bestehen. Viele Investoren stellen sich die Frage, ob die aktuelle wirtschaftliche Erholung tatsächlich auf einer ausreichend stabilen fundamentalen Grundlage steht.
Hinzu kommt, dass geopolitischen Spannungen weiterhin Einfluss auf die Preisentwicklung wichtiger Rohstoffe haben. Besonders im Bereich der Energie sowie bei Düngemitteln für die Agrarindustrie waren zuletzt deutliche Preissteigerungen zu beobachten. Damit bleibt auch das Thema Inflation für Anleger ein wichtiger Risikofaktor.
Wall Street: Kapital wandert aus Technologieaktien ab
An den US-Börsen setzt sich der Umschichtungsprozess innerhalb des Aktienmarktes fort. Besonders auffällig ist die nachlassende Dynamik im Technologiesektor.
Selbst starke Unternehmenszahlen reichen derzeit nicht mehr aus, um neue Kursrallys auszulösen. Ein gutes Beispiel lieferte zuletzt Broadcom. Trotz überzeugender Geschäftszahlen blieb die erhoffte positive Marktreaktion aus. Die Aktie konnte keine nachhaltigen Anschlusskäufe erzeugen.
Ähnlich präsentiert sich die Situation beim KI-Schwergewicht Nvidia. Nach der beeindruckenden Kursrally der vergangenen Monate scheinen Anleger verstärkt Gewinne mitzunehmen. Aktuell gelingt es der Aktie nicht, neue Kaufdynamik aufzubauen.
Diese Entwicklung hinterlässt inzwischen deutliche Spuren auf Indexebene. Der Nasdaq 100 baut seine laufende Korrektur weiter aus und gerät zunehmend unter Druck. Auch der S&P 500 wird durch die Schwäche im Technologiesektor belastet. Einzig der Dow Jones zeigt sich bislang vergleichsweise robust und kann sich noch in der Nähe seiner Höchststände behaupten.
Berichtssaison: Oracle und Adobe im Fokus
Die Berichtssaison nähert sich inzwischen ihrem Ende. Dennoch stehen in der kommenden Handelswoche noch zwei wichtige Technologieunternehmen auf der Agenda, deren Zahlen insbesondere für den KI- und Cloudsektor von Bedeutung sein dürften.
Den Auftakt macht Oracle. Das Unternehmen wird am 10. Juni nach Börsenschluss seine Quartalszahlen veröffentlichen. Analysten erwarten einen Gewinn je Aktie von 1,95 US-Dollar bei einem Umsatz von 19,10 Milliarden US-Dollar.
Besonders spannend sind die Perspektiven für die kommenden Quartale. Die Analysten der UBS bleiben für die Aktie optimistisch und haben ihr Kursziel zuletzt von 250 auf 285 US-Dollar angehoben. Begründet wird dies vor allem mit dem anhaltenden Wachstum im Cloudgeschäft sowie den zusätzlichen Impulsen durch Anwendungen im Bereich der künstlichen Intelligenz.
Am Donnerstag folgt dann Adobe mit seinen Quartalszahlen. Erwartet wird ein Gewinn je Aktie von 5,82 US-Dollar bei einem Umsatz von 6,46 Milliarden US-Dollar. Auch hier wird der Markt vor allem auf Aussagen zum weiteren KI-Wachstum achten. Die Fähigkeit der Unternehmen, künstliche Intelligenz erfolgreich in ihre Produkte und Geschäftsmodelle zu integrieren, bleibt aktuell einer der wichtigsten Kurstreiber an der Wall Street.
Wichtige Konjunkturdaten im Blick
Neben den Unternehmenszahlen stehen in der kommenden Woche zahlreiche wichtige Wirtschaftsdaten auf der Agenda.
Aus den USA beginnt die Woche am Dienstag mit den Verkäufen bestehender Häuser. Zwar zählt dieser Termin üblicherweise nicht zu den stärksten Marktbewegungen, dennoch dürfte genau beobachtet werden, welche Auswirkungen das weiterhin erhöhte Zinsniveau auf den Immobilienmarkt hat.
Besonders wichtig wird es dann am Mittwoch. Dann werden die Verbraucherpreise für den Monat Mai veröffentlicht. Dieser Inflationsbericht gehört zu den wichtigsten Datenreihen für die US-Notenbank FED und könnte erhebliche Auswirkungen auf die Zinserwartungen der Anleger haben.
Direkt am Donnerstag folgt mit dem Erzeugerpreisindex bereits der nächste wichtige Inflationsindikator. Gemeinsam mit den Verbraucherpreisen liefert dieser Bericht wichtige Hinweise darauf, ob der Inflationsdruck in der US-Wirtschaft weiter nachlässt oder erneut zunimmt.
Ebenfalls am Donnerstag werden die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe veröffentlicht. Auch diese Daten werden von den Marktteilnehmern genau beobachtet, da sie wichtige Rückschlüsse auf die Stabilität des US-Arbeitsmarktes zulassen.
Insbesondere die Termine am Mittwoch und Donnerstag dürften das Potenzial besitzen, sowohl die Aktienmärkte als auch den US-Dollar spürbar zu bewegen.
In Deutschland richtet sich der Fokus erst zum Wochenschluss auf wichtige Konjunkturdaten. Am Freitag werden die Verbraucherpreise für den Monat Mai veröffentlicht. Angesichts der geopolitischen Unsicherheiten und der zuletzt gestiegenen Rohstoffpreise dürften die Inflationsdaten besonders aufmerksam verfolgt werden.
USD/JPY vor möglicher Richtungsentscheidung
Auch auf der Währungsseite zeichnet sich ein spannendes Setup ab. Das Währungspaar USD/JPY verharrt weiterhin am wichtigen Widerstandsbereich um die Marke von 160 JPY.
Bislang gelingt es den Käufern nicht, diese Hürde nachhaltig zu überwinden. Stattdessen verdichten sich die Anzeichen, dass der Widerstand erneut eine relevante Rolle für Short-Setups spielen könnte.
Für eine mögliche Short-Positionierung spricht zusätzlich die Haltung der japanischen Notenbank. Die anhaltende Schwäche des Yen wird von den Währungshütern zunehmend kritisch betrachtet. Entsprechend wird weiterhin über mögliche Interventionen am Devisenmarkt diskutiert.
Sollte eine solche Maßnahme erfolgen, könnte der Bereich zwischen 155 JPY und 156 JPY zu einem wichtigen Kursziel auf der Unterseite werden.
Fazit
Die kommende Handelswoche verspricht zahlreiche Impulse. Während der DAX mit nachlassender Stärke kämpft und die Wall Street unter einer Rotation aus Technologieaktien leidet, stehen mit Oracle und Adobe zwei wichtige KI-Profiteure im Fokus. Gleichzeitig dürften die US-Inflationsdaten sowie die deutschen Verbraucherpreise entscheidende Hinweise für die weitere Geldpolitik liefern. Für aktive Trader bleibt darüber hinaus das Währungspaar USD/JPY ein besonders interessantes Setup mit Potenzial für größere Bewegungen.
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Ihr Tickmill-Analyst Mike Seidl
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